Florian

Florian Schuster-Böckler

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Natur und Kunst

„Was ist Florian Schuster-Böckler?“ Die Frage lautet nicht „wer ist“, denn das weiß man:
Maler, Illustrator, Graphiker, Designer. Ein Multitalent also? Das wäre eine erste Antwort auf die Frage nach dem „was“, und doch bleibt sie vorläufig und unbefriedigend. Denn betrachtet man die Arbeiten des 1958 in München geborenen Künstlers, spürt man, daß es da ein Geheimnis zu entschlüsseln gilt.

Liegt es in der Farbgestaltung seiner Werke, in den Motiven? Warum malt er keine Menschen, keine Gegenstände? Weil er einzig die Natur malt. Oder malt die Natur durch ihn?

La Gomera

Florian Schuster-Böckler lebte 20 Jahre, nach diversen Ausbildungen und inneren wie äußeren Reisen, auf der Kanareninsel La Gomera. Dort, wo die übermächtige Natur den Menschen täglich zur Demut, zur Bescheidenheit zwingt, begreift dieser sich nicht mehr als Herr über die Welt, die er sich untertan machen soll, sondern als gleichberechtigtes Wesen neben den Steinen (Die Steine sind das älteste Volk auf Erden“, sagen die Indianer), den Tieren und eben – den Pflanzen.

Wenn Florian Schuster-Böckler die Natur der Insel malt, den Sand, das Wasser, die Wogen, den Fels, den Himmel, die Flora, so geschieht dies auf einmalige Weise: nicht photorealistisch, aber doch beinahe, nicht im Stile Hokusais, aber trotzdem bleibt ein zen-haft, meditatives Element, nicht naturalistisch, und dennoch erscheinen die Motive derart detailgetreu, daß manches fast schon wieder plakativ wirkt. Es ist eine sonderbare Magie, die diesen Bildern entströmt. Sie scheint dem Betrachter die Augen öffnen zu wollen, damit er sich selbst als Teil der Natur erkennt und seine Entfremdung von ihr aufzugeben lernt.

Ein Grenzgänger, ein Suchender

Vielleicht ist das der Schlüssel zu Florian Schuster-Böckler. Selbst ein Entfremdeter einst, ein Grenzgänger, ein Suchender, hat er jetzt gefunden, was ihm so lange vorenthalten wurde. Heimat, körperlich und geistig. Seine Seele aber findet man in den Bildern. Und so erhalten seine Werke mit einem Mal etwas höchst persönliches, etwas, das einen anrührt. Durch jedes Agavenblatt, durch jede Frangipaniblüte, durch jede sich hochaufbäumende Welle leuchtet eine verletzte Seele, die ihre Verletzung überwunden hat – dank der Kraft der Natur. Florian lebt fern der Menschen und dennoch bedarf er ihrer, nicht nur als Käufer seiner Bilder. Denn das ist eine weitere Botschaft seiner Kunst: zerstört nicht länger euch und andere.

Wer sich lange genug in seine Arbeiten vertieft, den umgibt ein Gefühl der Geborgenheit, wie es der Mensch vielleicht vor vielen tausend Jahren hatte: eingebettet in die natürlichen Zusammenhänge des Lebens.

Ist Florian Schuster-Böckler ein neuzeitlicher Rousseau?

Vielleicht, aber wichtiger noch scheint mir seine Kunst der Einschränkung. Wenn Goethe sagt „Und das Gesetz nur kann uns Freiheit geben“, so trifft das auf Florian Schuster-Böckler ganz speziell zu. Denn die Gesetze der Natur schenken ihm jene Freiheit, derer er beim kreativen Prozeß bedarf. Schon seine Wahlheimat besteht aus dem Gesetz der Grenze. Am Strand endet die Welt. Aber wenn man Grenze denken will, so muß es etwas Dahinterliegendes geben – und genau dieses entdeckt der Künstler in seinen Arbeiten. In seiner Kunst spiegelt sich die Leere in der Fülle, die Fülle in der Leere. Die Vergangenheit wird zukünftig und die Zukunft atmet die Gegenwart.
Daraus ergibt sich endlich die Antwort auf die Anfangsfrage:

Florian Schuster-Böckler ist der Maler der Zukunft. Er malt eine Welt, wie sie einst sein wird, weil sie schon einmal so war. Es ist eine Welt, in der Natur und Kunst zur vollkommenen Einheit verschmolzen sind.

 

Hans Christian Meiser